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Integrationsmaßnahmen
& Interviews

Integrationsmaßnahmen

   1. Scaffolding
Beim „Scaffolding“ handelt es sich um ein Bau- oder Hilfsgerüst, das sich auf die „Zone der nächsten Entwicklung“ bezieht. Die Lehrkraft gibt dabei Angebote zur Unterstützung, die zur Konstruktion von Wissen benötigt werden. Sobald die jeweilige Lernkonstruktion erfolgt ist, werden diese unterstützenden Maßnahmen jedoch wieder abgebaut. Zu möglichen Scaffoldingmaßnahmen zählen beispielsweise zum einen das Strukturieren, das heißt Anforderungen einer Lernsituation werden so gestaltet, dass die Lernenden diese bewältigen können oder zum anderen das Problematisieren, also die Lernenden kognitiv zu aktivieren und dadurch die subjektive Bedeutsamkeit der Lernens zu erhöhen. Allgemeines Ziel des Scaffolding ist es die Schülerinnen und Schüler schrittweise durch die kognitive Unterstützung einer Lehrperson zum selbstregulierten Lernen anzuleiten und bei zunehmenden Fortschritten die jeweilige Hilfe wieder zurückzunehmen.
 
   2. Language Awareness
Als Kennzeichen der „Language Awareness“ als didaktisches Konzept ist ihr ganzheitlicher Ansatz zu nennen. Auf der kognitiven Ebene soll zum Beispiel durch den Umgang mit Regeln und Mustern sowohl in der Ausgangs- als auch in der Zielsprache eine Metabewusstheit entwickelt werden. Ein positiver Bezug zur Sprache soll auf der emotional-affektiven Ebene hergestellt werden und bezüglich der sozialen Ebene geht es um das Bewusstmachen welche Rolle Sprache in der Schule und der Gesellschaft spielt. Typische Methoden für die Anwendung der „Language Awareness“ sind beispielsweise Sprachvergleiche, Betrachtung grammatischer Phänomene, Betrachtung soziokultureller Fragestellungen, wie Assoziationen zu Wörtern oder kulturell geprägten Textsorten oder Betrachtung pragmatischer Fragestellungen, wie Höflichkeitskonventionen.
 
   3. Content and Language Integrated Learning
Bei diesem Konzept handelt es sich um eine bilinguale Didaktik, bei der es um die Entwicklung von Wissen, Können, Denken und Handeln in den beteiligten Sprachen geht, also um die Vernetzung von Sprache, Fachinhalten und Kultur, wodurch ein sprachlich-fachlicher Lernprozess erfolgt. Im konkreten Beispiel kann „Content and Language Integrated Learning“ im fremdsprachlichen Fachunterricht oder bei der Durchführung eines Projektes in einer Fremdsprache erfolgen.
 
   4. Wochenplanarbeit
Die Wochenplanarbeit kennzeichnet eine Form des individuellen und selbstgesteuerten Lernens. Der Unterricht wird an die Lernvoraussetzungen und die Heterogenität der SuS angepasst. Das Konzept der Wochenplanarbeit ist ein Selbststudium, mit Selbstkontrolle nach Bewältigung der Aufgaben. Der Lehrer tritt dabei nur als Lernhelfer und beratend auf. Zu Wochenbeginn erhalten die Kinder einen Wochenplan, auf dem Aufgaben zu verschiedenen Themen und Fächern vermerkt sind. Dies wird unterteilt in Pflicht- und Wahlaufgaben. Wobei Pflichtaufgaben von jedem Schüler erledigt werden müssen, um eine gemeinsame Grundlage sicherzustellen. Die Kinder erhalten dann jeden Tag, meistens am Morgen, Zeit, um die Aufgaben zu bewältigen. Selbst einzuteilen sind dabei, welche Wahlaufgaben bearbeitet werden und in welcher Reihenfolge, welche Sozialform bevorzugt wird (Einzel- oder Partnerarbeit) und wie die Zeit eingeteilt wird.
 
   5. Lesetandem
Lesen ist ein komplexer Prozess, der verschiedene Aspekte und Dimensionen, sowie Teilprozesse mit einschließt. Von oben her betrachtet gibt es drei Ebenen, welche das Lesen beeinflussen. Diese werden im Mehrebenmodell von Rosebrock/Nix als Prozess-, Subjekt- und soziale Ebene bezeichnen. Die Methode des Lesetandems bezieht sich dabei auf die Prozessebene. In dieser Ebene besteht das Lesen sowohl aus hierarchieniedrigeren und hierarchiehöheren Prozessen. Die hierarchieniedrigeren Prozesse bestehen aus der Wort- und Satzidentifikation sowie der Herstellung einer lokalen Kohärenz. Das Herstellen einer globalen Kohärenz gehört  wiederum den hierarchiehöheren Prozessen an. Ebenso verhält es sich mit dem Erkennen der Superstrukturen und der Identifikation von Darstellungsstrategien. 
Das Lesetandem bezieht sich wie bereits beschrieben vor allem auf die hierarchieniedrigeren Prozesse. Ein Lesetandem besteht aus zwei Lesepartnern. Einer der beiden ist ein stärkerer Leser als der andere. Dieser ist der Tutor oder auch der Trainer. Das Gegenstück dazu stellt dann der Tutand oder auch der Sportler dar. Beide Partner sitzen nebeneinander und lesen simultan (halb-)laut einen Text. Der Tutor geht dabei mit dem Finger in der Zeile mit. Der Tutand gibt das Startzeichen. Bei Lesefehlern bekommt der Sportler zunächst die Möglichkeit sich selbst zu verbessern, schafft er es nicht, darf der Trainer dies tun.
Ziel der Methode ist neben dem flüssigen Lesen, unter anderem den Sichtwortschatz zu erweitern und somit ein automatisiertes Dekodieren zu erreichen. Zusätzlich soll die richtige Betonung geübt werden.
 
   6. Leseatelier
Das Leseatelier ist eine Lernform des individuellen Lernens, die sich mit dem Lesen beschäftigt. Hierbei wird den SuS Material mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad zu einem Thema bereitgestellt. Dabei können die Kinder frei wählen, ob sie die Aufgaben alleine oder in Partnerarbeit bearbeiten wollen. Die Klasse erhält dann zum Thema viel Material, wie beispielsweise Bücher, Sachtexte oder neue Medien, zum Beispiel Videos oder das Internet.Dann wird ein Medium ausgewählt, gelesen und anschließend werden Fragen beantwortet und die Antworten gesammelt. Das Ziel des Leseateliers ist, dass die Kinder selbst gesteuert arbeiten, individuelle Leistungsanforderungen bewältigen und möglichst viele Textsorten kennenlernen.
 
   7. Gebundene Ganztagesschule
Die gebundene Ganztagesschule ist eine Schulform, an der die Kinder an mindestens drei Wochentagen und mindestens sieben Stunden auch nachmittags an der Schule bleiben. Dieses Nachmittagsprogramm ist bei der gebundenen Ganztagesschule verpflichtend für alle SuS. Der Unterricht findet so circa von 8:00 Uhr bis 15:00 Uhr statt. Am Vormittag nehmen die Kinder am normalen Vormittagsunterricht, also dem Regelunterricht, teil, wie an anderen Schulen auch. Dann folgen eine Mittagspause und anschließend das Nachmittagsprogramm, mit Hausaufgaben, Sportprogrammen oder Freizeitangeboten. Dies ist eine gute Möglichkeit der Integration, da die Kinder viel Zeit miteinander verbringen und nicht nur am normalen Unterricht teilnehmen, sondern am Nachmittag auch Projekte gemeinsam machen können, bei denen Heterogenität, wie zum Beispiel Sprachkenntnisse, keine Rolle spielen. Weitere Formen der Ganztagesschule sind die teilweise gebundene Form und die offene Form.
 
   8. Pingo
„PINGO“ ist die Abkürzung für „peer instruction for very large Groups“ und in erster Linie ein an der Universität Paderborn entwickeltes, Web-basiertes System für die Aktivierung von Studierenden. Bei dieser Methode können vom Dozenten oder Lehrer während der Sitzung gestellte Fragen von StudentInnen oder SchülerInnen über Smartphones, Tablets oder Laptops beantwortet werden. Der Lehrbeauftragte sieht dadurch welche Inhalte bereits verstanden wurden und bei welchen Themen weitere Erklärungen erforderlich sind.
 
   9. Individueller Förderunterricht
Der individuelle Förderunterricht ist eine spezielle Art der Förderung. In diesem Fall werden die Kinder meistens aus dem Regelunterricht heraus genommen und erhalten separaten Unterricht, in einer kleineren, jahrgangsübergreifenden Gruppe mit einem Förderlehrer. An vielen Schulen wird der Förderunterricht bei Kindern mit Migrationshintergrund angewendet. Häufig kommen Flüchtlinge ohne irgendwelche Deutschkenntnisse in die Schule und sollen dort am Regelunterricht teilnehmen. Dann werden diese Kinder mehrmals die Woche aus der Klasse herausgenommen und erhalten Sprachunterricht in einer kleineren Gruppe. Dies kann auch bei anderem Förderbedarf genutzt werden. Wichtig ist, dass in diesen Stunden nicht der Unterrichtsstoff wiederholt wird, sondern auf den Förderbedarf eingegangen wird.
 
   10. Elternarbeit
Elternarbeit bezeichnet jegliche Form der Integration von Eltern in die Schule. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten. Entweder unterstützen die Eltern ihre Kinder beim Lernen oder unterstützen die Schule oder erhalten selbst Unterstützung. Die klassische Elternarbeit meint hierbei die Unterstützung der Schule, also beispielsweise der Bibliotheksdienst oder Hilfe bei Aufführungen oder Schulfesten. Möglichkeiten, den Kindern beim Lernen zu helfen, wären beispielsweise Lesepaten, wobei Eltern oder Großeltern mit den Kindern zusammen lesen. Manche Eltern erhalten auch selber Hilfe in der Schule, zum Beispiel bei Deutschkursen durch andere Eltern oder das sogenannte Elterncafé, wo die Eltern die Chance haben, andere Eltern kennenzulernen und somit in die Gemeinschaft integriert werden.

Interview 1

Datum: 07.01.16
Befragte Person: Grundschullehrkraft (w) an der Grundschule Augsburg Bärenkeller

I: Also, das erste wäre das Lesetandem. Ob sie, haben Sie damit schon Erfahrungen bezüglich Integration gemacht?
L: Ja, habe ich schon ausprobiert. Und äh gerade eben die DaZ-Kinder mit nem starken Deutsch-Kind zusammen gesetzt und es hat sehr gut funktioniert, weil sie sehr rücksichtsvoll miteinander umgehen und auf das äh DaZ-Kind dann auch warten beim Lesen und ähm sich sehr auf das Kind einstellen können.
I: Und gibt’s da dann auch Nachteile? Oder äh was vielleicht nicht so gut gelaufen ist?
L: Mhm, ja es ist doch relativ unruhig in der Klasse und äh es dauert bis man die passenden Tandems findet.
I: Okay.
L: Bis man wirklich die passenden Kinder findet, weils nicht in jeder Kombination funktioniert.
I: Und das Leseatelier? Kennen Sie das auch?
L: Nein, das kenne ich nicht.
I: Scaffolding. Sagt Ihnen der Begriff was?
L: Ähm, ja, ich überleg nur, ähm, ja aber explizit achte ich da nicht so
I: Okay, und auch also noch nicht äh explizit ausgeführt?
L: Nein.
I: Okay. Und Wochenplanarbeit?
L: Ähm, habe ich früher gemacht und hab mich wieder davon distanziert, also großer Vorteil ist natürlich die Schüler lernen ihre Arbeit zu organisieren, im eigenen Tempo zu arbeiten, ähm, Aufgaben selbständig äh zu lösen, allerdings äh sehe ich einen großen Nachteil darin, da sie ähm meistens, also die schwachen Kinder werden eh nicht fertig, sitzen dann das ganze Wochenende, müssen das nacharbeiten und ähm, es, die Zeit kann meiner Meinung nach effektiver für andere Unterrichtsformen genutzt werden.
I: Okay, dann Language Awareness. Kennen Sie das? Oder sagt ihnen das?
L: Sagt mir nichts.
I: Okay. Die gebundene Ganztagesschule?
L: Ja, haben wir ja im Bärenkeller und ich war ja die letzten zwei Jahre im gebundenen Ganztag, ähm, und äh grad für DaZ-Kinder ist es ein großer Vorteil, da sie noch mehr in nem Sprachbad sich befinden und von acht bis vier, ähm, diesen schulischen Rahmen haben und dadurch schneller Deutsch lernen.
I: Okay.
L: Allerdings ist es sehr, sehr anstrengend für die Kinder und äh man muss auch mal gucken äh ob das passend für jedes Kind ist.
I: Okay.
L: Nicht jedes Kind ist ein Ganztageskind
I: Ja. Dann gibt’s noch das Contant an Language Integrated Learning.
L: Kenne ich auch nicht.
I: Okay. Pingo. Das ist relativ neu.
L: Sagt mir auch nichts.
I: Okay. Ja. Individueller Förderunterricht bezüglich Integration?
L: Genau, also wir haben äh diese Deutsch-Förderkurse, wo ja nur ein paar wenige Kinder drin sitzen und grad mit Schwerpunkt äh DaZ unterrichtet werden, ähm, das sind meistens ein oder zwei Stunden pro Woche zusätzlich, im Anschluss an den Unterricht und dann gibt es noch individuellen Förderunterricht, ähm, da kommt eine Förderlehrerin und nimmt einzelne Schüler raus, aber nicht unterm DaZ-Apsekt unbedingt, sondern kann auch Mathematik oder ein anderes Fach sein und da nimmt sie vielleicht ein oder zwei, oder drei Kinder mit, während beim Deutsch-Förderkurs sind es zwischen fünf und zehn Kinder.
I: Und dann noch als letzter Punkt die Elternarbeit?
L: Ähm, ja Elternarbeit ganz wichtig, für ähm, also grad unterm Aspekt Integration, Lese- äh Vorlesen der Eltern, also die lesen eine Geschichte aus ihrem Heimatland, ähm, gemeinsames Frühstücken, gemeinsame Ausflüge, dann äh, haben Eltern äh aus anderen Kulturkreisen auch mal für uns gekocht.
I: Okay.
L: Ja, das wars eigentlich. Und äh wir haben, wir halten auch Elterngespräche mit äh Dolmetschern, wenn nötig.
I: Okay.
L: Und haben auch mehrsprachige Elternbriefe an der Schule, genau.
I: Und äh gibt es noch sonstige Integrationsmaßnahmen, die Sie kennen oder anwenden?
L: Ähm unser Schulleben, also unser Schulleben ist unterm integrativen Aspekt, das heißt äh, wir achten ganz besonders drauf, dass die Familien anderer Kulturkreise stark eingebunden werden, wie zum Beispiel interkulturelle Feste, interkulturelles Schulfest und, ähm, zum Schulleben gehört auch die Gestaltung des Schulhauses, Begrüßung auf, in verschiedenen Sprachen sind zu sehen. Genau. Außerdem äh kümmern wir uns, das wäre auch noch was, ähm, wir kümmern uns, dass Kinder aus äh mit Migrationshintergrund auch in äh ortsansässigen Vereinen Fuß fassen können und dadurch auch besser integriert werden, also wir sind im engen Kontakt mit den Vereinen, zum Beispiel Fußballverein, Tanzverein.
I: Okay, dann wars das eigentlich.
L: Gut
I: Dankeschön.



Interview 2

Datum: 28.12.15
Befragte Person: Grundschullehrkraft (w) an der Andreas-Grundschule in Korschenbroich (NRW)

I: Hast du mit den folgenden Integrationsmaßnahmen schon Erfahrungen gemacht oder schon ausprobiert? Zum Beispiel das Lesetandem, also dieses Partnerlesen?
L: Nein.
I: Ok, dann das nächste: Das Leseatelier, eine Werkstatt, bei der die Kinder verschiedene Leseaufgaben erledigen können?
L: Nein, auch nicht.
I: Dann das Scaffolding?
L: Auch noch nicht.
I: Dann Wochenplan?
L: Ja.
I: Dann die Vorteile, was fandst du gut oder schlecht an dieser Methode?
L: Also gut fand bei der Wochenplanarbeit, dass man dann differenziert auf die Kinder eingehen kann und denen differenzierte Wochenpläne geben kann und gerade wenn Kinder halt eben nicht so gut sprechen … vom Deutsch … oder eben nicht so gut deutsch sprechen, dass ich denen dann entsprechende Aufgaben variieren kann für die Kinder.
I: Nachteile irgendwelche?
L: Ja, für mich, da ich halt relativ viel vorbereiten muss und vorbedenken muss, ja.
I: Also sehr viel Aufwand, ja. Genau, dann das Language Awareness?
L: Nein.
I: Dann gebundene Ganztagsschule?
L: Ja, die haben wir ja. Ah, ne, die ist nicht gebunden, die ist offen. Nein, die ist offen, genau.
I: Meinst du, dass das eher gut ist für die, dass die da noch eingebunden werden?
L: Also bei uns jetzt, vor allem die Flüchtlingskinder werden alle eingebunden bei uns, die müssen verpflichtend in die Ganztagsschule gehen, einfach um so viel Deutsch zu lernen und zu hören wie möglich. Und da sind auch freiwillige Helfer im Nachmittagsbereich tätig, Eltern oder auch Erzieher oder einfach auch ehemalige Lehrer, die nachmittags kommen und mit den Kindern nochmal zusätzlich arbeiten. Aber es ist wie gesagt offene Ganztagsschule, bloß die Flüchtlingskinder nicht.
I: Die haben dann quasi die gebundene.
L:Genau.
I: Genau, dann das Content and Language integrated Learning?
L: Nein, hab ich noch nicht gemacht.
I: Das Bilinguale ist das im Prinzip. Dann, ähm,  das PINGO? Das ist sowas ganz Neues. Das ist schon mit Handys und Computern. Und zwar kann  man dann quasi so ne Umfrage stellen, wie bei Wer wird Millionär? im Prinzip. Da kann man dann anonym schauen, ob sie das können oder nicht.
L: Ah ja, nein, hab ich auch noch nicht gemacht.
I: Dann individueller Förderunterricht?
L: Ja, den haben wir auch. Der ist jetzt im Moment sehr individualisiert, weil die, die … bei uns Englisch für die Erstklässler erst im zweiten Halbjahr anfängt und die ganzen Kollegen, die eigentlich dann im Englischunterricht vom ersten Schuljahr eingebunden sind im Moment die Stunden dann für die Flüchtlingskinder nutzen und haben, dementsprechend. Ich geh jetzt mal hauptsächlich auf die Flüchtlingskinder ein, denn bei uns sind nicht so viele Kinder, die sonst eben Deutsch nicht … Deutsch als Zweitsprache haben, bzw. die es halt nicht sowieso schon so gut können, dass  man sie dadurch unbedingt fördern muss. Und da sind im Moment relativ viele Lehrerstunden mit eingebunden und die werden dann wirklich individuell dann auch gefördert.
I: Ok, genau.
L: Also auf jeden Fall.
I: Und dann ähm Elternarbeit? Also da gäbe es ja verschieden Richtungen. Einmal halt, dass  man die Eltern von den Kindern mit einbindet, weil die ja auch kein Deutsch können … dass man mit denen redet. oder auch irgendwie mit anderen Eltern irgendwas…
L: Also hier, in Korschenbroich,  ist es so, dass die Eltern von den Flüchtlingskindern oder überhaupt die Flüchtlinge ziemlich viele Deutschkurse … Deutschkursmöglichkeiten haben, dass da sehr viele Freiwillige sind und da eben mit denen arbeiten, sodass es jetzt nicht unbedingt nötig ist, die bei uns einzubinden. Wir haben aber jetzt bei uns hier, bei der Fackelausstellung und auch beim Martinszug … waren auch die Eltern von viele Flüchtlingskindern da, auch von den beiden, die ich in der Klasse habe und die haben … wir haben … ich hatte jetzt auch zur Weihnachtsfeier eingeladen, allerdings und aber ist jetzt die eine Einladung nicht angekommen und die andere Mutter hat da gerade ein Kind bekommen. Von daher waren die leider nicht da. (lacht)
I: (lacht) ok.
L: Aber ansonsten habe ich auch Eltern bei mir, die das dann ins Englische übersetzen, weil bei mir beide Elternteile von den beiden Kindern eben auch Englisch sprechen und die Einladungen oder auch wenn jetzt irgendwas mit Elternstammtisch ist oder sowas, wird alles für die … da werden die mitbedacht und auch die Kinder werden überall mitbedacht.
I: Ja. Das war’s dann schon, genau.
L: Okay.
I: Danke!



Interview 3

Datum: 06.01.16
Befragte Person: Rektorin an der Mangold-Grundschule in Donauwörth

I: Also, ähm, es sind 10 Maßnahmen insgesamt und, ähm, ich geh einfach mal der Reihe nach durch.
L: Ja.
I: Das erste ist das Lesetandem. Habt ihr das schon mal in der Schule gemacht?
L: Ähm, ne, sagt mir zwar was, aber ham wir jetzt..also..wir..also..was..also, sagen wir mal so, was versteht ihr drunter? Ich versteh.. würde halt drunter verstehen, dass ein deutsches Kind mit einem ausländischen Kind liest oder?
I: Also das muss jetzt nicht ausländisch sein, sondern zum Beispiel, dass n schwaches Kind mit nem stärkeren Kind...
L: Also das wird, sicher, das wird ständig gemacht!
I: Okay.
L: Also des, ja.
I: Also haben die dann so feste Gruppen oder...?
L: Ich denk des ist in den Klassen unterschiedlich, wie die Kolleginnen das handhaben.
I: Okay und machst du das auch, oder?
L: Ähm.. des ist bei mir in der 4. Klasse nicht so..nötig.
I: Nicht mehr so notwendig?
L: Ne, aber ich hab´s auch schon gemacht..ja.
I: Okay und kennst du das Leseatelier?
L: Ne.
I: Okay, dann haben wir so...
L: Da müsstest du die jüngeren Kolleginnen.. die kennen das wahrscheinlich!
I: Ja, also das ist jetzt nicht so bekannt..
L: Bloß, wie gesagt, des sind halt Dinge, die jetzt eher in den letzten Jahren, ähm..., da gibt’s viele neue Begriffe, die ich halt so ab und zu mal mitkrieg, aber natürlich nicht alle.
I: Ja ist klar.. ,ähm, .. Dann den Wochenplan, das macht ihr ja alle, oder?
L: Ja!
I: Okay und, ähm, was findest du denn da gut dran und was nicht so gut?
L: Ja gut, dass die Kinder, ähm, sich, ähm, aussuchen können, mit welcher Arbeit sie beginnen, egal ob´s jetzt nach Schwierigkeit dann entscheiden oder nach .. nach Vorliebe, ähm, dass sie entscheiden können, ob sie´s allein oder mit nem Partner machen und, was ich schon auch gut und wichtig find, ist dass es, ähm, nen verpflichtenden Aufgaben - ähm - bereich gibt, der eben bearbeitet werden muss, damit sie auch, ähm, ihre Zeit einteilen lernen.
I: Okay und da sind ja auch die Kinder mit Migrationshintergrund .. kann man da ja auch gut einbinden.
L: Ja!
I: Okay und Nachteile davon? Gibt´s da auch was?
L: Ja gut..mei..es gibt immer Kinder, die versuchen, sich zu drücken, aber die haben wir im normalen Unterricht auch und, ähm.. bei mir müssen sie´s halt, ähm, dokumentieren, wenn sie nen Bereich fertig haben oder müssen mir ihre Arbeiten auch zeigen und es ist also ned so, einfach ich mach a weng was, sondern es wird schon auch kontrolliert und, dann denke ich, ist es eine ganz gute Geschichte!
I: Gut, super, dann gibt’s so zwei Maßnahmen, wo die, ähm, Muttersprache mit eingebunden wird, aber des wird wahrscheinlich nicht so gemacht, das heißt Scaffolding...
L: Ne.
I: Language Awarness..
L: Ne..ne.
I: Das steht halt alles in der Lehrbüchern..aber des...
L: Ja ne.. also des ist bei uns dann ähm.. ich denke des ist vielleicht in so Klassen, wo mehr Kinder mit..mit gleicher Muttersprache dann sind..
I: Ja sinnvoller!
L: Vermute ich.
I: Ja genau - und so, ähm, Klassen, die so ganztags da sind, des habt ihr ja auch nicht.
L: Haben wir nicht, ne , wir haben keine Ganztagsklassen.
I: Dafür aber den individuellen Förderunterricht!
L: Den hat jede Klasse, ja.
I: Und da werden die Kinder, dann aus dem normalen Unterricht rausgeholt?
L: Mhm ja.. es..es gibt, ähm,.. ja des eine heißt flexible Förderung, des ist also für die ganze Klasse und bei der individuellen, da werden sie aus den Klassen rausgeholt, von den Förderlehrerinne, ja.
I: Genau, ok super, dann gibt’s noch so ne App, aber des ist eher für neuere, äh ältere Klassen. Und bei der Elternarbeit, gibt’s da auch was, wo ihr mit den Eltern zusammen...
L: Bezüglich Leseförderung?
I: Ja.. ähm insgesamt für die Integration, dass die Eltern da auch mit eingebunden werden oder...
L: Wir haben da, also im Bereich Leseförderung, ähm, bei schwachen Kindern, haben wir Lesepaten, die einmal in der Woche kommen, aber eigentlich bewusst keine Eltern...
I: Okay.
L: Weil, ähm, die halt immer dann bloß, ähm, die eigenen Kinder, oder..also wir sehen da halt einfach die Gefahr der Verschwiegenheit, dass die da nicht, ähm, gewahrt wird, die Verschwiegenheit, drum haben wir lieber fremde Leute.
I: Und wer kommt dann da?
L: Des sind teilweise ehemalige Lehrer oder einfach ältere, des sind Rentner, die sich bereit erklärt haben, da einmal in der Woche zu kommen.
I: Und die lesen dann zusammen?
L: Die lesen in der Regel mit den Kindern, ja.
I: Okay und macht ihr sonst noch irgendwelche Maßnahmen, im Unterricht oder, wie integriert ihr jetzt zum Beispiel bei euch die Flüchtlingskinder oder so?
L: Die sind zum einen im ganz normalen Klassenunterricht mit dabei, weil bei uns ned so viele sind und haben aber pro Tag mindestens eine Stunde, wo sie, ähm, nur Deutsch lernen.
I: Also eine extra Stunde?
L: Also da, wo sie halt aus der Klasse dann raus kommen.
I: Okay und, dann sind die da alle zusammen und-
L: Genau also...gut..es kommt immer...es kommt immer auf die Anzahl an, wenn man viele Erst- und Zweitklässler haben, dann fass ma die zam dann, ähm, weil drei, vier, die sind dann halt meistens doch schon weiter, aber des ist einfach abhängig von den Zahlen, wie wir des machen.
I: Okay und im Untericht, wenn du da jetzt ausländische Kinder drin hast, dann sollen die einfach versuchen, da am Unterricht -
L: Zum Teil oder man, ähm, macht´s natürlich auch so, dass der Lehrer denen, ähm, extra Aufgaben gibt, des kann man schon auch machen, also ich hab auch schon mal nen Polen gehabt, mit dem hab ich halt nebenbei, dann die Zahlen geübt oder, ähm, Schrift überhaupt geübt, je nachdem, was sie halt können, ähm, man kann se am besten.. kannst du sie am normalen Unterricht in Mathematik in der Regel teilnehmen lassen.
I: Ja weil des ja ähnlich ist.
L: Ja oder beim Leselernprozess in der ersten Klasse, da ist es auch noch am einfachsten und sonst - mei – man – oft differenziert der Lehrer natürlich halt auch innerhalb der Klasse und gibt diesen Kindern irgendwelche Sonderaufgaben, da gibt’s jetzt zum Beispiel auch, ähm, - wie heißt des – Bildwörterbuch, des mit dem Ting-Stift arbeitet, den – wo man nen Kopfhörer anschließen kann, wo man also zum Beispiel so Kinder während des Unterrichts auch beschäftigen kann, dass die Deutsch lernen.
I: Okay, gut, das war´s eigentlich schon!
L: Okay.

I: Super danke!

Interview 4

Datum: 14.01.2016
Befragte Person: Grundschullehrkraft (w) an der Werner-Egk-Grundschule in Augsburg

I: Haben Sie mit folgenden Integrationsmaßnahmen bereits Erfahrungen gemacht oder diese ausprobiert?
L: Ähm...also ich habe mit dem Lesetandem, dem Scaffolding, der Wochenplanarbeit, dem Language Awareness und eh (5 sekunden Pause) dem Content and Language Integrated Learning erfahrungen gemacht. Ach ja und natürlich auch mit der Elternarbeit und dem individuellen Förderunterricht.  
I: Okay danke. Und Kennen Sie weitere Integrationsmaßnahmen?
L: Mhhh (5 sekunden Pause) also wir haben hier an der Schule einen Austausch mit Mittelschülern gemacht, wo die Kinder gemeinsam Spielen oder Kochen konnten. Und außerdem machen wir auch Ausflüge mit Regelklassen.
I: Okay gut. Und können Sie mir von den Integrationsmaßnahmen Vor –und / oder Nachteile nennen?
L: Also bei dem Lesetandem finde ich es besonders gut, dass die Kinder miteinander arbeiten und dadurch integriert werden. Außerdem wird die Aussprache der Kinder geschult. Naja und Nachteile finde ich oft bei der Wochenplanarbeit. Erstens ist es ziemlich aufwendig für mich als Lehrkraft und zweitens sind besonders die Kinder mit ADHS benachteiligt, da sie keine Strukturen haben und sie diese aber besonders brauchen.
 I: Ah okay. Dann bedanke ich mich sehr bei Ihnen, dass Sie sich die Zeit für die Fragen genommen haben.

Interview 5

Datum: 14.01.16
Befragte Person: Grundschullehrkraft (w) an der Werner-Egk-Grundschule in Augsburg

I: Haben Sie mit folgenden Integrationsmaßnahmen bereits Erfahrungen gemacht oder diese ausprobiert?
L: Also ich habe mit dem Lesetandem, dem Leseatelier, der Wochenplanarbeit, mit der Elternarbeit und dem individuellen Förderunterricht schon mal im Unterricht gearbeitet.
I: Ah ja gut. Und Kennen Sie auch noch andere Integrationsmaßnahmen?
L: Ich muss sagen, dass ich aus meinem Sportunterricht die Erfahrung gemacht habe, dass vor allem Mannschaftsspiele oder andere Spiele mit mehreren Gruppen sehr effektiv waren. Besonders Kinder mit wenig deutschen Sprachkenntnissen blühen dabei richtig auf. Ach ja und ähm im Kunstunterricht ist ein Projekt was ich mit meiner Klasse letztes Jahr gemacht habe sehr gut angekommen. Dort durften die Kinder die Schulwände neu bemalen und jeder konnte sich so einbringen.
I: Ach das klingt ja super. Und können Sie mir von den anderen Integrationsmaßnahmen Vor –und / oder Nachteile nennen?
L: Bei der Elternarbeit sehe ich zum Beispiel die Vorteile darin, dass die Kinder nicht nur in der Schule von den Lehrern und Mitschülern integriert werden, sondern auch zu Hause dann richtig integriert werden, wenn sie mit ihren Eltern was unternehmen. Das ist ein Punkt den ich als sehr wichtig erachte, aber leider von den meisten Kollegen eher unterschätzt und wenig gefördert wird. Ach ja was ich auch noch als sehr positiv erachte, ist das Lesetandem. Dabei können die Kinder sich untereinander helfen.
I: Okay, vielen Dank für das Interview.


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